Montag, 6. Juli 2009

Memphis Design

Die Postmoderne rehabilierte Muster und Ornament. Die italienische Designergruppe Memphis, die sich um den Star Ettore Sottsass scharte, entwickelte als Gegenreaktion zum High-Tech Design der 1970er-Jahre das Anti-Design beziehungsweise radikales Design. Alltagsformen wurden positiv, lustvoll und phantasievoll dargestellt. Formen aus der Tierwelt und elementare Formen (Kegel, Kugeln, Pyramiden, Würfel) wurden kombiniert und mit bunten Kunststofflaminaten (Laminat) beschichtet. Memphis entwickelte eine eigenständige Optik und eine postmoderne Formensprache. Die meisten von Memphis entworfenen Möbel zeigen Pop-Art inspirierte Motive. Lamellenförmig angeordnete Oberflächen, helle Farben und fette Muster sind prägende Merkmale.

1988 wurde die Memphis Gruppe aufgelöst, da die Popularität unter dem negativen Einfluss von vielen schlechten Kopien spürbar abnahm.

Die unten zu sehenden Entwürfe entstanden in enger Nachfolge dieser Bwegung und werden über http://www.memphis-milano.it/ auch heute noch vertrieben.



Nathalie du Pasquier - Tapete NDP38 (2005)




Nathalie du Pasquier - Tapete NDP32



Nanda Vigo - Tapete "Ground Line"



George Snowdon - Tapete GJS5 (2003)



Nathalie du Pasquier - Tapete NDP1 (2003)

Mittwoch, 28. Januar 2009

Ableitung


Polygone und die Verflechtung der Konturlinien sind ein beliebtes Mittel islamischer Ornamentik. Das Auge wird hier zur Verfolgung der Bänder verleitet, ähnlich wie bei einem Labyrinth. Das Wechselspiel von Oben und Unten verlangt Konzentration vom Betrachter.



Die Konstruktion des zentralen Oktogons lässt sich recht einfach aus dem Grundquadrat ableiten. Die Idee der in sich verdrehten Quadrate fand schon Platon außergewöhnlich und hat aus den Proportionen der Seiten seine idealen Harmonie entwickelt. Heute stellt sich dieses Verhältnis etwas profaner dar. Die Seite des großen Quadrats ist die Diagonale des nächstkleineren, und damit über die Wurzelziehung zu finden.


Inspiriert...

...haben mich die Ornamente natürlich sehr. Wie man an meiner etwas verspielten Interpretation der maurischen Fliesen hoffentlich erkennen kann.



Die Konstruktion scheint auf den ersten Blick relativ durchschaubar. Probleme ergeben sich aber in den Verbindungen der zwölfstrahligen Sterne. Etwas für Tüftler...

Neulich auf La Palma...



...bummelte ich durch die Altstadt von Santa Cruz. Hinter den meist offenen Haustüren verbergen sich wahre Schätze: Azulejos! Die zumeist quadratischen, bunt bemalten und glasifizierten Keramikfliesen haben ihren europäischen Ursprung in Spanien und Portugal.



Die komplizierte Konstruktion verweist auf maurische Ursprünge. Besonders das untere Beispiel findet sich fast identisch in der ganzen islamischen Welt.

Samstag, 20. Dezember 2008

Wale



Konstanz und Veränderung - dadurch entsteht eine gewisse Lebendigkeit in gekachelten Flächen. Das Auge springt und stellt Bezüge her, leitet Formähnlichkeiten ab und entdeckt verborgene Linien und Strukturen.






Die quadratische Kachel wurde durch Verbindungen von Ecken und Seitenmitten unterteilt.



Linien werden unterbrochen, enden oder werden wieder fortgeführt. Nach dem Gesetz der Prägnanz ergänzt das Auge fehlende Linienstücke und setzt die Form in der Vorstellung wieder vollständig zusammen. Je einfacher und regelmäßiger sie ist, um so besser gelingt diese Rekonstruktion.

Gotischer Sechspass



Das gotische Maßwerk ist reich an Formen, die meist auch regional bezogen sind. Überall an gotischen Kathedralen findet man aber die sogenannten Pässe, unter denen der Dreipass der bekannteste ist. Im Prinzip geht es immer um die regelmäßige Überschneidung von Kreisen. Als Grundfigur können unterschiedliche Vielecke dienen. In unserem Fall ist ein Hexagon der Ausgangspunkt der Kunstruktion.



Um die Ecken eines Sechsecks werden Kreise geschlagen, die entweder eine ganze oder halbe Kantenlänge zum Radius haben.



Klassische Konstruktion eines Dreipass. Die Kreise überschneiden sich. Kongruente Innenbögen laufen bei der Überschneidung spitz aus.



Vereinfachte Konstruktion über die Seitenmitten eines gleichseitigen Dreiecks. Die Kreise berühren sich hier nur, was zur Konsequenz hat, dass die kongruenten Kreisbögen zur Mitte hin wieder auseinander laufen.

Windrad



So verwirrend das Ergebnis auch scheinen mag, so einfach ist dessen Konstruktion. Die geschickte Zerlegung eines Sechsecks führt zu den Mittelpunkten und Radien der Kreisbögen. Ein wenig visueller Puderzucker peppt das nackte Liniengerüst dann gehörig auf!



Eine sehr einfache und regelmäßige Untergliederung des Hexagons, deren Konstruktion allerdings einer gewissen Konzentration bedarf!